Eine Kursfahrt mit besonderen Eindrücken

Auch in diesem Jahr konnten Schüler*innnen aus der Jahrgangsstufe 9 an einer Kursfahrt zur Fazenda da Esperança auf Gut Neuhof nahe Berlin teilnehmen. Es entschieden sich zehn Mädchen, die Fazenda vom 16. bis zum 19. März kennenlernen zu wollen. Möglich ist dies durch eine Kooperation der Fachschaften Religion mit der evangelischen Kirchengemeinde. In diesem Jahr begleiteten das Ehepaar Fricke und Frau Schüthuth die Schülerinnen des GNR.

Die Fazenda da Esperança ist eine Initiative, die Anfang der 80er Jahre in Brasilien gegründet wurde. Zurzeit gibt es 125 Fazenda-Gemeinschaften in 20 Ländern in Lateinamerika, Europa, Afrika und Asien, davon fünf in Deutschland.

Immer geht es darum, Menschen zu befähigen, aus Orientierungslosigkeit oder Sucht herauszukommen und den Weg zurück in ein drogenfreies, selbstbestimmtes Leben zu finden, oft nachdem schon mehrere herkömmliche Therapien gescheitert sind. Gemeinsam gilt es, durch feste Strukturen, Gemeinschaft und Glaube Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu schaffen.

Während des viertägigen Aufenthalts nahmen die Rietbergerinnen am Leben der Bewohner teil und bekamen dabei einen Einblick in die vier großen Arbeitsbereiche: Stall, Küche, Garten und Holzwerkstatt. Mit der Zucht von Schweinen und Schafen, dem Anbau von Gemüse, der Anfertigung von Kettenanhängerchen aus Holz und dem Gästehaus wird ein Teil des Unterhalts erwirtschaftet. Die Aufgaben im Haushalt werden von den Bewohnern gemeinschaftlich übernommen. Und so halfen die Schülerinnen beim Laubhaken und beim Ausmisten im Stall, beim Zurückschneiden der Sträucher, es wurden leckere Salate zubereitet und Kuchen gebacken, der Tisch eingedeckt, Geschirr gespült. Das gemeinsame Leben, Arbeiten und Beten auf der Facenda war von einem strikten Zeitplan geregelt, zugleich aber auch von gegenseitiger Wertschätzung und Herzlichkeit geprägt.

Bei der gemeinsamen Arbeit kamen die Schülerinnen schnell ins Gespräch mit Bewohnern, die vom Leben auf der Fazenda, aber auch von ihrer Jugend erzählten, die häufig zuerst von legalen Drogen wie Zigaretten und Alkohol beeinflusst, dann aber schnell von harten Drogen, Beschaffungskriminalität, Entzugstherapien und Gefängnisaufenthalten bestimmt war. Aber Drogen bedeuten auch: völlige Fremdbestimmung durch die Sucht, zerstörte Beziehungen zu Eltern, Geschwistern, Partnerinnen, unzählige Lügen und gebrochene Versprechen, Verlust des Arbeitsplatzes, des Selbstwertgefühls, Hoffnungslosigkeit.

Jeder Tag auf der Fazenda stand unter einem anderen Motto, das neue Lebensperspektiven offenbarte. Dieses Wort des Tages wurde bei jeder Mahlzeit in Erinnerung gerufen und gemeinschaftlich in der eigenen kleinen Kapelle beim abendlichen Gottesdienst reflektiert. Das Motto des ersten Tages war: ,,Aufstehen zum Leben“, was zeigte, dass man aus sich herauskommen soll, aktiv werden soll, um sein Leben weiter zu gestalten, auch wenn man Niederschläge erleidet. Es war beeindruckend zu sehen, wie dieses Wort im Verlauf des Tages mit Leben gefüllt worden war und am Abend miteinander geteilt wurde.

Besonders deutlich wurde der starke Zusammenhalt bei den Mahlzeiten, die im großen Raum mit allen Gästen und Bewohnern eingenommen werden, was zu interessanten Gesprächen und Begegnungen führte.

Die Zeit auf der Fazenda war für alle eine bereichernde Erfahrung, die den Horizont erweiterte und zeigt, dass man mit „Esperança“ (portugiesisch für Hoffnung) alles erreichen kann.

Text: Emma & Lina

Fotos: A. Schüthuth

Das könnte Sie auch interessieren …