“Es ist eine Zeit, die man so nie wieder erlebt.” – Auslandsjahr in Argentinien

Die EF- Schülerin Mia verbringt spannende 10 Monate in Argentinien und hat bereits viele weitere Regionen in Südamerika bereist. Wir von der Homepage AG konnten ihr viele Fragen zuschicken und Mia hat uns mit zahlreichen Eindrücken und Fotos versorgt…

1. Stelle dich doch bitte kurz vor.

Hallo, ich bin Mia, 17 Jahre alt, und verbringe während der EF mein Auslandsjahr in Argentinien.

2. In welcher Stadt wohnst du und wie lange bist du insgesamt dort?

Insgesamt verbringe ich 10 Monate hier in Argentinien, also die ganze EF. In der Zeit wohne ich in der Stadt Luján, welche ungefähr eine Stunde von der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires entfernt liegt.

Luján:

3. Warum wolltest du nach Argentinien bzw. in diese Stadt?

Ich habe mir Argentinien als Land ausgesucht, weil ich schon immer Spanisch sprechen wollte und mir das Schulspanisch nicht gereicht hat. Für mich ist Spanisch eine der schönsten Sprachen, vor allem das argentinische Spanisch.

Jedes spanischsprechende Land hat seinen eigenen Dialekt und in großen Ländern wie Argentinien gibt es innerhalb des Landes nochmal sprachliche und kulturelle Unterschiede. Ich wollte unbedingt in ein weit entferntes Land, was komplett anders ist als Deutschland, kulturell und landschaftlich. Und die Kultur ist wirklich total anders, von Mate, Empanadas und Asado bis hin zu Tango. Außerdem ist Argentinien eines der sicheren Länder in Südamerika.

Die Stadt konnte ich mir nicht aussuchen, aber mir persönlich war es auch relativ egal, wohin ich komme, da Argentinien so vielfältig ist und es eigentlich überall total schön ist. Ich bin schlussendlich sehr zufrieden hier in Luján, da es in der Nähe von Buenos Aires ist.

Mate, Torta Frita, Asado:

4. Hast du dich schnell eingelebt? Falls ja, wodurch?

Durch meine Gastfamilie, die mich direkt als Familienmitglied aufgenommen hat, habe ich mich echt schnell eingelebt, trotz der vielen kulturellen Unterschiede. Die haben von Anfang an viel mit mir geredet und waren auch sehr interessiert an der deutschen Kultur.  Ich habe in der Schule total schnell Freunde gefunden, welche mich direkt in ihre Gruppe aufgenommen haben und mir alles gezeigt haben. Generell nehmen Argentinier einen immer herzlich und mit offenen Armen auf und sind immer sehr gesprächig. Wenn man selber auch offen ist und sich für die Menschen und die Kultur interessiert, hilft das natürlich auch sehr weiter.

Trotzdem hatte ich einige “Kulturschocks”, wie zum Beispiel das Essen. Es wird hier bei jeder Mahlzeit Fleisch gegessen, beispielsweise Asado oder Milanesa (Schnitzel). Asado isst man oft mit der ganzen Familie am Wochenende. Auch die Essenszeiten sind hier anders, da man meistens erst gegen 23 Uhr oder später zu Abend isst. Gegen 18 Uhr isst man Merienda, was meistens aus Mate, Tereré oder Tee und Keksen besteht. Eine andere Sache ist, dass man sich zur Begrüßung immer umarmt und sich einen Kuss auf die Wange gibt, auch wenn man die Person nicht gut kennt.

5. Wie ist dein Schulalltag in Argentinien? Welche Unterschiede gibt es zwischen der Schule dort und dem GNR?

Auch die Schulen hier sind sehr anders als in Deutschland. Das Schuljahr beginnt im März und endet meistens Ende November, wodurch man 3 Monate Sommerferien hat. Man hat dann aber nur noch 2 Wochen Winterferien im Juli, somit keine Herbst- und Osterferien. Hier in Argentinien sind Privatschulen auch sehr üblich, da dort der Unterricht besser ist als in öffentlichen Schulen. Ich zum Beispiel gehe auf eine Schule, die halb privat und halb öffentlich ist.

Mein Schulalltag sieht auch etwas anders aus, da die Schule hier schon um 7:30 Uhr anfängt und nur bis 12:55 Uhr geht. An zwei Tagen in der Woche habe ich nachmittags noch eine Stunde Sportunterricht, wodurch ich dann bis 15:15 Uhr Schule habe. Jeden Morgen stellt sich jede Klasse in eine Reihe auf und während der argentinischen Flagge gehisst wird, wird das Lied „Aurora“ gespielt. Das ist ein argentinisches Lied, was immer bei Flaggenzeremonien gespielt wird. Dann hat man immer eine Stunde lang ein Unterrichtsfach, wobei es aber auch häufig Doppelstunden sind. Ich habe täglich eine fünfminütige, eine 15-minütige und eine zehnminütige Pause.

Die Fächer hier unterscheiden sich auch etwas. Generell gibt es in Argentinien häufig Schulen, die sich auf gewisse Themen „spezialisieren“. In meiner Schule wird zum Beispiel neben normalen Fächern wie Mathematik, Englisch und Literatur auch noch Recht, Geschäftsführung und Buchhaltung unterrichtet. Ich muss aber auch sagen, dass die Schule hier sehr viel einfacher ist, da zum Beispiel in Mathematik Themen unterrichtet werden, die am GNR schon 2 Jahre früher beigebracht werden. Auch der Englischunterricht ist sehr einfach, wodurch viele Schüler*innen noch neben der Schule privaten Englischunterricht nehmen. Was hier auch anders ist, dass es hier in vielen Schulen eine Schuluniform gibt, wie in meiner Schule auch. Die besteht bei mir aber einfach aus Jogginghose oder Rock, T-Shirt und Pullover. Dadurch, dass das GNR ja wirklich sehr modern ist, war es auch erstmal ein “Kulturschock”, in ein Gebäude zu kommen, was nicht so modern ist und wieder nur noch auf Papier zu schreiben.

Klassenraum während eines Festes:

6. Was unternimmst du am Wochenende zum Beispiel? Welche Sehenswürdigkeiten/ Städte etc. hast du schon besucht?

Am Wochenende treffe ich mich häufig mit meinen Freunden. Wir gehen dann oft in die Stadt, um dort zum Beispiel was essen zu gehen. Jetzt im Sommer treffen wir uns aber meistens bei jemandem zuhause und gehen dort in den Pool. Man trifft sich auch häufig zum Mate oder Tereré trinken, was eigentlich wie Mate ist, aber anstatt es mit heißem Wasser zu trinken, trinkt man es mit kaltem Saft. Oft treffen wir uns aber auch mit der Familie und essen Asado, was total typisch für Argentinien ist.

Ich habe das Glück, dass ich schon relativ viel sehen konnte. Ich war schon öfters mal in Buenos Aires und habe dort zum Beispiel Puerto Madero, den Obelisco und das River Plate Stadion besucht. Ich war auch schon in Rosario, wo Messi aufgewachsen ist, und habe mir dort das Flaggendenkmal Argentiniens angeschaut. Ich hatte auch die Möglichkeit mit meiner Gastfamilie nach Bombinhas, Brasilien, in den Urlaub zu fahren, was natürlich nochmal eine total andere Erfahrung war als Argentinien. Auf dem Weg waren wir im Norden Argentiniens in der Provinz Misiones, was sehr tropisch ist und eher Brasilien ähnelt. Wir haben auch die Wasserfälle „Cataratas de Iguazú“ auf der brasilianischen Seite besucht. Die waren echt beeindruckend, da es dort auch eine exotische Tier- und Pflanzenwelt gibt. Mit meiner Austauschorganisiation werde ich auch noch die argentinische Seite der Wasserfälle besuchen. Für meine Mid-Year-Orientation war ich in Córdoba und in den Sommerferien habe ich mit meiner Organisation eine Reise nach Bariloche, was in Patagonien liegt, gemacht. Das war total beeindruckend, da wir dort neben Seen und Bergen auch Gletscher sehen konnten.

Buenos Aires:

Brasilien:

Cataratas de Iguazú:

Bariloche, Patagonien:

7. Wie ist das Wetter aktuell bei dir? Wie ist es für dich, jeweils in der entgegengesetzten Jahreszeit zu sein?

Das Wetter hier in Buenos Aires ist zurzeit super, da ja Sommer ist. Die Jahreszeiten sind hier in Argentinien entgegengesetzt und der Sommer geht hier auch generell etwas länger, weil es hier einfach wärmer ist. Hier sind immer um die 35°C, wobei es in anderen Teilen Argentiniens viel wärmer, aber auch sehr viel kälter im Sommer sein kann. Generell regnet es hier auch eher weniger, da die Regenmonate eher September – November sind. Für mich war es auch eine schöne Erfahrung, Weihnachten und Silvester mal im Sommer erleben zu können. Dadurch wird es hier auch etwas anders gefeiert. Es gibt zum Beispiel nur kaltes Essen.

8. Kannst du dir vorstellen, später ganz in Argentinien oder in einem anderen Land im Ausland zu leben?

Ja, ich könnte mir auf jeden Fall vorstellen, irgendwann in einem anderen Land zu leben und das ist bis jetzt auch mein Plan. Ich liebe es, in Argentinien im Moment zu leben und ich würde nirgendwo lieber mein Auslandsjahr machen. Aber ich glaube, später würde ich gerne nochmal in einem ganz anderen Land leben. Ich würde nämlich einfach nochmal gerne eine ganz andere Kultur erleben, wobei Argentinien wahrscheinlich immer meine Nummer 1 bleiben wird. Natürlich habe ich auch vor, regelmäßig meine Gastfamilie und Freunde hier besuchen zu kommen.

9. Würdest du anderen Schüler*innen generell ein Auslandsjahr empfehlen? Wenn ja, warum?

Ich würde ein Auslandsjahr immer weiterempfehlen, egal ob während der Schule oder danach. Es ist eine Zeit, die man so nie wieder erlebt, in der man sich selbst in so vielen Bereichen weiterentwickelt und Sachen erlebt und sieht, die man noch nie gemacht hat. Man findet viele neue Freunde, in dem Land, wo man das Jahr macht und Freunde, die gerade in der gleichen Situation sind und auch aus verschiedenen Ländern kommen. Man entwickelt sich als Person weiter und lernt Dinge zu schätzen, die vorher vielleicht normal waren. Ein offensichtlicher Grund ist natürlich auch noch, dass man eine neue Sprache lernt.

Ich würde auch immer wieder 10 Monate anstatt 6 Monate machen, weil man erstmal eine gewisse Zeit braucht, um sich so richtig einzuleben und die Sprache gut zu sprechen und zu verstehen. Als Tipp würde ich noch geben, dass man sich vorher gut informiert, mit welcher Organisation man den Austausch macht. Ich würde weiterempfehlen, dass man es mit einer gemeinnützigen Organisation macht.

Vielen Dank für die vielen ausführlichen Einblicke und dir weiter eine spannende Zeit, liebe Mia!

Die Fragen stellten: Malte und Noah (Homepage AG)

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