Alumni

Nach dem GNR …

Alumni erzählen über ihren weiteren Lebensweg

Ehemalige GNRlerin: als Botschafterin für Études Européennes

November 2021

Immer wieder kommt es vor, dass sich ehemalige Schüler*innen des GNR an ihre alte Schule erinnern. So auch Stina Marie Lorenz aus dem Abiturjahrgang 2018 des GNR.

Nach einem „Gap-Year“ in Bolivien und Frankreich ist sie nun Studentin im deutsch-französischen Bachelorstudiengang „Europäische Studien“ an den Universitäten Paderborn und Le Mans. So zufällig sie auf diesen Studiengang gestoßen war, so begeistert ist sie nun von dem großen Angebot der deutsch-französischen Hochschule. Sie wurde Botschafterin dieses Studiengangs und nahm in dieser Funktion Kontakt zur Koordinatorin für Fremdsprachen des GNR, Sylvia Ottofrickenstein, Kontakt auf, um den Studiengang an ihrer „alten Schule“ vorzustellen.

Nach ihrem Praktikum bei der Vertretung des Landes NRW bei der Europäischen Union in Brüssel und mit vielen positiven Erfahrungen im Gepäck stattete Stina Marie am 12.11.2021 unserer Schule  diesen besonderen Besuch ab.

In einem motivierenden und informativen Vortrag zeigte Stina Marie den Schüler*innen der drei Oberstufenkurse Französisch des GNR die Vorteile eines Studiengangs auf. Die europäischen Studien sind ein binationaler Doppeldiplomstudiengang. Es handelt sich um einen grundständiges berufsqualifizierendes Programm von dreijähriger Dauer. Er ist für Jahrgangsgruppen von überschaubarer Größe konzipiert: Maximal zehn Studierende pro Jahrgang und Universität können zugelassen werden. Integriert sind ein Studienjahr an der Partneruniversität Le Mans in Frankreich und ein sechswöchiges Auslandspraktikum. Nach erfolgreichem Abschluss des Studiums werden deutschen und französischen Absolvent*innen jeweils die beiden gleichwertigen Grade „Bachelor“ und „Licence“ verliehen. Im Vordergrund steht eine berufs- und praxisbezogene Sprachausbildung in beiden Partnersprachen Französisch und Deutsch, außerdem in Englisch. Für Absolvent*innen dieses Studiengangs ergeben sich sowohl im deutschen- als auch im französischen Raum vielfältige berufliche Optionen, beispielsweise in Berufsfeldern wie Journalismus, Tourismus, Museen, Politische Institutionen, Kultur- und Bildungseinrichtungen. (Quelle: https://www.uni-paderborn.de/studienangebot/studiengang/europaeische-studienetudes-europeennes-bachelor-und-licence-bachelor/)

 

 

Ehemalige GNRlerin: “Aus Rietberg in die weite Welt”

November 2018

Miriam Günther, eine ehemalige Schülerin des GNR, hat im letzten Schuljahr einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst an einer Primary-School (Klassen 1 bis 8) mit angeschlossenem Internat (nur für Mädchen) im Süd-Ost-Afrikanischen Malawi geleistet. Gelebt hat sie seit August 2017 mit einer Mitfreiwilligen zusammen in einem eigenen Haus mit zwei (Schlaf-)zimmern, Wohnzimmer, Küche, Dusche, WC, einer Waschstelle und einem kleinen Innenhof, das direkt auf dem Internatsgelände steht. Vom Küchenfenster aus konnte sie so zum Beispiel die Wasserpumpe und die Waschstellen der Mädchen sehen, hinter ihrem Fenster wurde für die anstehenden Klassenarbeiten und Tests gelernt und vor der Tür trafen sich die Mädchen zum Spielen – sie war also immer mittendrin im Trubel.

Ein großer Teil ihres Alltags war durch religiöse Aspekte geprägt: drei Mal in der Woche besuchte sie die Kirche. Anders als hier in Deutschland sind die Kirchen während Messen gut gefüllt und es trifft sich dort Jung und Alt um gemeinsam zu beten, singen und zu tanzen.

Dadurch, dass ihr ermöglicht wurde, den Unterricht flexibel zu gestalten, konnte sie viele verschiedene Bereiche kombinieren und unterrichten. Wenn es um traditionelle Tänze ging, dann blieb sie so zum Beispiel nicht nur einfach bei der Theorie, sondern hat, wenn es die Zeit zuließ auch gern eine Stunde Praxis eingeschoben, was dann allerdings stets dazu führte, dass ihre Schülerinnen ihr etwas beibrachten. Dies war für alle Beteiligten immer wieder eine erfrischende Erfahrung und hat für viel Freude und Spaß gesorgt.

Ein großer Teil ihres Alltags war durch religiöse Aspekte geprägt: drei Mal in der Woche besuchte sie die Kirche. Anders als hier in Deutschland sind die Kirchen während Messen gut gefüllt und es trifft sich dort Jung und Alt um gemeinsam zu beten, singen und zu tanzen.

Dadurch, dass ihr ermöglicht wurde, den Unterricht flexibel zu gestalten, konnte sie viele verschiedene Bereiche kombinieren und unterrichten. Wenn es um traditionelle Tänze ging, dann blieb sie so zum Beispiel nicht nur einfach bei der Theorie, sondern hat, wenn es die Zeit zuließ auch gern eine Stunde Praxis eingeschoben, was dann allerdings stets dazu führte, dass ihre Schülerinnen ihr etwas beibrachten. Dies war für alle Beteiligten immer wieder eine erfrischende Erfahrung und hat für viel Freude und Spaß gesorgt.


In einem Ferninterview hat Miriam zu zentralen Fragen Auskunft gegeben und ihre Erfahrungen veranschaulicht:

Warum haben Sie sich für Afrika entschieden?

Der afrikanische Kontinent hat mich insgesamt immer schon sehr interessiert. Als ich mich dann im Laufe der Oberstufe über verschiedenste Auslandsprogramme und Freiwilligendienste informiert habe, bin ich dann irgendwie immer bei Projekten in süd- oder westafrikanischen Ländern “kleben geblieben”. Schon seit der Kindheit hat mich das, was ich über afrikanische Länder gehört und gesehen habe, immer fasziniert und so wollte ich dieses Jahr auch dafür nutzen, um einen lang gehegten Traum zu verwirklichen. Zudem kam noch hinzu, dass mich persönlich bei der Projekt(aus-)wahl (in meiner Organisation liegt die Projektfindung in den Händen der Freiwilligen) die Projekte in Malawi mehr angesprochen haben, als die in Indonesien, Ost-Timor, Rumänien oder Indien. Es war dann also zufälligerweise auch so, dass meine Favoriten-Projekte auch allesamt in Malawi (und damit auf dem afrikanischen Kontinent) lagen.

Wo haben Sie sich beworben?

Ich habe mich bei den Franziskanerinnen in Salzkotten beworben, deren Freiwilligendienst auch durch “weltwärts” gefördert wird.

Gab es “Hürden” zu überwinden?

Ganz klare Antwort: JA! Vor allem allerdings persönliche… Als schüchterne, gerade 18 Jahre alt gewordene, Schülerin konnte ich es mir anfangs noch nicht so recht vorstellen, vor 100 Kindern zu stehen und zu unterrichten. Ich habe mich mit der Zeit aber echt entwickelt und viel (dazu) gelernt! Ansonsten wurde mir bei den Hürden von meiner Organisation geholfen. Wenn es zum Beispiel um die Visabeschaffung oder die Gesundheitsvorsorge ging, hatte ich immer einen Leitfaden, an den ich mich halten konnte und Ansprechpartner, die mir bei Bedarf meine Fragen beantworten konnten.

Was haben Sie in Malawi genau gemacht?

Vormittags habe ich zwei siebte Klassen (mit je knapp über 100 Schülerinnen) im Fach “Expressive Arts” – einer Mischung aus Sport, Musik, Kunst, Tanz und Kultur – unterrichtet und den anderen Lehrern geholfen. Diese Hilfe bestand vor allem aus Arbeit am Laptop (Tippen von Examen oder verschiedenster Listen) oder der Herstellung verschiedener Unterrichtsmaterialien wie zum Beispiel Plakaten, auf denen ich regelmäßig große Landkarten, Teile des Körpers oder Pflanzen und Tiere zeichnete.

Am Nachmittag war ich dann in dem Internat aktiv. Ich würde meine Rolle dort als die einer großen Schwester beschreiben, die immer ein offenes Ohr für die (rund 300) Mädchen hat, mit ihnen spielt, ihnen beim Lernen hilft, einfach mal quatscht und herumalbert, ein Pflaster aufklebt usw.

Wie haben Sie das Projekt finanziert?

Dadurch, dass ich einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst geleistet habe, der von “weltwärts” (einem Programm der Bundesregierung) gefördert bzw. unterstützt wird, wurde schon einmal ein großer Teil der Kosten gedeckt. Für den restlichen Betrag habe ich dann in meinem Umfeld nach Spendern gesucht, was auch ganz gut geklappt hat, da ich in verschiedenen Gruppen und Institutionen aktiv bin.

Gab es Probleme bei bzw. nach der Rückkehr?

Auch hier kann ich ganz klar und ohne lange Überlegungen mit “Ja” antworten. Meine Rückkehr würde ich nicht als kompletten Kulturschock bezeichnen – schließlich habe ich ja bereits 18 Jahre hier in Deutschland gelebt – aber ich habe schon ganz klar gemerkt, dass ich mit einigen Dingen anfangs Probleme hatte bzw. sie auch jetzt noch “komisch” für mich sind. Neben ganz banalen Dingen wie zum Beispiel der Tatsache, dass ich die ersten Tage immer wortwörtlich ins Leere griff, wenn ich eine Tür öffnen wollte (die Türklinken sind in Malawi anscheinend deutlich höher angebracht…), sind die Probleme aber vor allem auf mich persönlich bezogen. Viele meiner Einstellungen haben sich verändert und ich blicke jetzt anders auf viele Dinge. Eine große Umgewöhnung waren auch das Wetter und die “Stille”, als ich wieder hier zurück nach Rietberg gekommen bin. Nach einem Jahr “Dauerbeschallung” von 300 Kindern direkt vor meinem Haus, bin ich jetzt manchmal wirklich erstaunt, wie ruhig es doch sein kann, kann diese Ruhe aber oft auch gar nicht “ertragen”, weshalb bei mir jetzt eigentlich immer Musik läuft, egal wo ich gerade bin und was ich mache.

Tionana  (Auf Wiedersehen)