Hinweise für Eltern – Das Herbarium im Unterricht am GNR

Warum ein Herbarium anlegen?
Im Herbarium kann man einem Lebewesen wirklich begegnen, da es durch den vielfachen Umgang (Standortsuche, bestimmen, pflücken, pressen, beschriften) die erforderlichen Kenntnisse vermittelt, die nachweislich über Jahre im Gedächtnis gespeichert bleiben. Pflanzenkenntnisse machen später Spaziergänge in Wald und Flur zu einem Erlebnis, weil man dort „alte Bekannte“ aus der Schulzeit wieder trifft und sich darüber freuen kann. Das Erstellen schult Zielstrebigkeit, handwerkliches Ge-schick, Fachkenntnisse und Geduld. Die notwendige Arbeitshaltung, die über eine längere Zeit erforderlich ist, wird durch das Tun selbst und das schöne „Produkt“ bestärkt. Fast immer sind die erstellten Herbarien für die Schülerinnen und Schüler ein persönlicher Gewinn.
Das Herbarium am GNR umfasst 30 Pflanzen. Hiervon müssen 15 im zweiten Halbjahr der Jahrgangsstufe 5, 15 im zweiten Halbjahr der 6 gesammelt werden.

Ich kenne doch die Pflanzen nicht!
Im Unterricht wird das Arbeiten mit einem Bestimmungsschlüssel geübt. Pflanzen, die im Unterricht behandelt wurden, können natürlich von den Lernenden wiedererkannt und eigenständig benannt werden. Um noch nicht bekannte Pflanzen zu bestimmen, können die Lernenden unser Bestimmungsbuch über das Wochenende ausleihen. Innerhalb einer Woche ist eine Ausleihe nicht möglich, da die Bücher für den Unterricht benötigt werden.
Sollte trotzdem eine Bestimmung nicht möglich sein, wird die entsprechende Pflanze durch die Lehrerin bzw. den Lehrer bestimmt und ein Zettel mit den entsprechenden Bemerkungen zu dem Herbarexemplar gelegt. Dies bedeutet keinen Abstrich an der Leistung des Lernenden, wenn die entsprechende Pflanze nicht im Unterricht behandelt wurde!

Vielleicht ist eine seltene Pflanze dabei!
Diese Befürchtung ist eher unbegründet. In den Hinweisen zur Anlage eines Herbars, die Ihr Kind erhält und sie Sie auch auf dieser Seite nachlesen können, weisen wir darauf hin, dass es um die Erweiterung der Kenntnisse der Flora unseres Nahraumes geht, und hierbei zunächst um die Kenntnis der häufigen Grundtypen unserer Blütenpflanzen, um das, was Ihr Kind im Alltag häufig umgibt. Im Gebiet Rietberg sind – auch aufgrund der intensiven Landwirtschaft – sehr viele gemeine (im Sinne von allgemeinen) Arten zu finden, Besonderheiten eher selten. Bisher haben wir in den Herbarien keine seltenen bzw. geschützten Arten gefunden.
Zudem gibt es keinen Anreiz für das gezielte Sammeln von Besonderheiten, da es hierfür keine zu-sätzlichen „Punkte“ gibt.

Was müssen wir alles besorgen?
Eine eigene Pflanzenpresse ist nicht notwendig (siehe Anleitungen). Das Bestimmungsbuch kann – wie oben angegebene – über ein Wochenende ausgeliehen werden. Die weiteren Materialien (Papier, Zeitungen, Klebestifte etc.) können auch sonst im Rahmen von Hausaufgaben und eigenständigen umfangreicheren Arbeiten erforderlich sein.

Ist elterliche Hilfe erforderlich?
Diese häufig gestellte Frage kann eindeutig mit „Nein“ beantwortet werden. Im Unterricht wird die Erstellung des Herbars vorbereitet, und zwar so, dass das Kind alle Schritte alleine gehen kann. Natürlich hängt es von der Arbeitshaltung und Selbstdisziplin des Kindes ab, ob es die Zeit einteilt und bis zum angekündigten Abgabetermin das Herbarium vollständig erstellt hat. In diesem Sinne ist es sicherlich Aufgabe der Eltern, das Kind zu unterstützen und Interesse daran zu zeigen, dass das Kind die verschiedenen Arbeitsschritte selbstständig erledigt. Gleiches gilt aber auch für umfangreichere Hausaufgaben und Projekte in anderen Fächern (Referate, Projekte etc.). Nehmen Sie ihm also keine Arbeit ab, denn nur durch das erfolgreiche eigene Tun des Lernenden bleibt das Geleistete im Gedächtnis und wird mit positiven Emotionen verbunden.

Wann und wie sammeln?
Im Unterricht wird mindestens einmal im Halbjahr in einer Bio-Stunde ein angekündigter Unterrichtsgang auf unser naturnah gestaltetes Schulgelände erfolgen. Hier steht die Vegetation in unmittelbarer Schulnähe im Zentrum. Nimmt das Kind an diesem Tag Gefriertüten mit, in die es die gesammelten und bestimmten Pflanzen mit einem Namenszettel gibt, damit diese bis zum Pressen hinreichend frisch bleiben, sind oft schon die erforderlichen 15 Pflanzen zusammen. Meist sind die Klassen erstaunt, wie viele verschiedene Arten im unmittelbaren Nahraum vorkommen. Natürlich kann jeder auch im Nachmittag die ihn besonders interessierenden Pflanzen sammeln und – unabhängig von diesem Unterrichtsgang – in das Herbarium einfügen.

Welche Rolle spielt das Herbarium bei der Beurteilung?
Die Beurteilungskriterien können Sie unserer Schulseite entnehmen.
Die Leistung beim Erstellen des Herbars ist Teil der mündlichen Note. Sie hat natürlich in beiden angegebenen Halbjahren ein besonderes Gewicht, um dem besonderen Aufwand und Umfang dieses Projektes gerecht zu werden.

Welche Erfahrungen hat die Schule mit dem Anlegen eines Herbariums?
Nicht ohne Grund hat sich die Fachkonferenz Biologie immer wieder begründet für das Anlegen eines Herbariums ausgesprochen – trotz der erheblichen Mehrbelastungen durch die Betreuung und Korrektur. Für Ihr Kind gibt es selten eine so unmittelbare Möglichkeit, eine naturwissenschaftliche Methode selbstständig zu erlernen, dabei die Umwelt besser zu erkennen, das Schönheitsempfinden zu schulen sowie die Arbeitshaltung und Leistungsbereitschaft zu vertiefen.
Anfragen an die Unterrichtenden gibt es meist nur wegen der Elternrolle. Wir möchten Sie nochmals darauf hinweisen, dass das Ziel „Eigenständigkeit des Kindes“ im Vordergrund steht. Zeigen Sie also durch Ihr Interesse am Tun des Kindes Ihre Unterstützung. Seien Sie andererseits sicher, dass durch die angemessene Vorbereitung und Begleitung im Unterricht Ihr Kind diese Aufgabe völlig selbstständig lösen kann.
Nicht umsonst erinnern sich selbst die Schülerinnen und Schüler, die ihr Herbar vielleicht mit kleinen Fehlern abgegeben haben, in der Sekundarstufe II beim Thema „Ökologie“ an ihre Herbarien.
Schauen Sie sich auf der GNR-Seite die Herbarblätter an, die in den letzten Jahren erstellt wurden. Diese sind keine seltenen, besonders gelungenen Exemplare, sondern alle Biologie-Unterrichtenden haben in jedem Schuljahr eine Vielzahl solch gelungener und überzeugender Herbarien erhalten. Vielleicht erinnern Sie sich noch an den Tag der offenen Tür, als Sie im Rahmen der Vorstellung der Naturwissenschaften auch vollständige Herbarien bewundern konnten.
Und zu guter Letzt: Manchmal zeigen auch Kinder, von denen es die Eltern nicht erwartet hätten, überraschende besondere Leistungen, wenn sie erst einmal Feuer gefangen haben.

Ein berühmtes Beispiel für die Bedeutung intensiver Naturbeobachtung und darauf fußender weitreichender
Überlegungen ist Johann Wolfgang von Goethe, der in seinen wissenschaftlichen und dichterischen Werken, aber auch in seinen Briefen und Tagebuchaufzeichnungen eine kaum überschaubare Fülle verschiedener Pflanzen erwähnt oder näher beschrieben hat. An zentraler Stelle seines Interesses steht in den Jahren um 1815 der Ginkgo. Damals besuchte er einige Gärten und Parkanlagen, in denen Ginkgos zu sehen waren, z.B. den Park des Heidelberger Schlosses. Besonders faszinierte ihn das Blatt des Ginkgo, von dem eine Zeichnung aus seiner Hand existiert.

GINKGO BILOBA
Dieses Baumes Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Gibt geheimen Sinn zu kosten,
Wie’s den Wissenden erbaut.
Ist es ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Daß man sie als eines kennt?
Solche Fragen zu erwidern
Fand ich wohl den rechten Sinn.
Spürst du nicht an meinen Liedern,
Daß ich eins und doppelt bin ?